Auf geht’s ins flache Land. Ab nach Ostfriesland

Urlaub in Deutschland: Wer hat das in den letzten Wochen nicht gehört oder sogar gebucht. Wir waren zum ersten Mal im Nordwesten Deutschlands unterwegs… Eine Kurzreise nach Ostfriesland mit einer bemerkenswert flachen Landschaft, Spaß für die Kleinsten und beeindruckenden Erinnerungen für die Großen. Ostfriesland bietet viel, vor allem viel Abwechslung.

„Ein paar Tage raus“, wer kennt diesen Satz nicht? Ein Kurztrip, etwas Abwechslung, eine kurze Luftveränderung, fast jeder kann damit etwas anfangen und hat solch einen Kurztrip schon genossen. Wir wollten im Mai eigentlich nach Ostfriesland, genauer gesagt nach Papenburg. Dort steht die Meyer-Werft, die so viele unserer Lieblingsschiffe gebaut hat. Die Entstehung eines Kreuzfahrtschiffes mal live vor Ort zu sehen hat mich schon lange gereizt. Leider hatte uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht und die Stimmung war erst einmal getrübt. Doch dann kam es zu den ersten Lockerungen und sowohl die Meyer Werft, wie auch Gasthäuser, Pensionen und Hotels öffneten wieder ihre Türen. Im Kopf laufen die erste Planungen an. Also dann: Los geht’s!

Anreise, Freizeitpark und Pension

Wir planen eine Tour mit drei Nächten. Als Ziel haben wir uns Westoverledingen in Ostfriesland ausgesucht. Ich glaube das dieser Ort ein recht guter Ausgangspunkt für verschiedene Tagestouren ist und das bestätigt sich auch im Laufe unserer vier Tage. Auf dem Hinweg sorgen wir erst einmal für das Highlight bei unserem Sohn: Der Freizeitpark „Warner Brothers Movie Park“ in Bottrop Kirchhellen liegt genau auf dem Weg und so fahren wir morgens gegen 07:30 Uhr los und haben nach zweieinhalb Stunden Bottrop erreicht. Genau richtig um eine Pause einzulegen und den Park zu besuchen. Unserem Kleinen haben wir davon nichts erzählt und er ist natürlich überrascht und auch  total begeistert, als er die Attraktionen seiner Fernsehhelden bestaunen und fahren kann. Wer Kinder in diesem Alter hat, dem sind die Hunde der „Paw Patrol“ sicherlich nur zu gut bekannt.

Trotz Corona läuft im Park alles sehr ordentlich ab. Es ist recht wenig los, was es eigentlich noch angenehmer macht. Es wird regelmäßig desinfiziert und beim Anstehen zu den Attraktionen muss die Maske getragen werden. Was soll’s… Das ist aktueller Alltag und stört uns nicht. Nach 4 Stunden fahren wir weiter, wohl wissend, dass wir die Kategorie Action für diesen Kurztripp mit unserem Parkbesuch bereits vollständig ausgereizt haben.

Das Land wird flacher und die Autobahn leerer. Die A31 von Bottrop bis zur Ausfahrt Papenburg ist ein Traum. Wir staunen bereits hier über die flache Landschaft und kommen nach gut zwei Stunden in Papenburg an. „Nur noch durch Papenburg und dann sind wir da…. „, das werde ich wohl nicht vergessen. Wir fahren auf die Erhöhung für die Ems-Brücke zu und im Hintergrund erscheint der riesige Schriftzug „Meyer-Werft“. Mein persönliches Highlight, nämlich die Besichtigung der Werft, hatten wir uns eigentlich für Freitag aufgehoben. Doch nun erhaschen wir vollkommen überraschend den ersten Blick und die Größe dieser Hallen ist extrem beeindruckend. Wir fahren an der Werft vorbei und die Vorfreude steigt. Nun ist nicht nur der Sohn glücklich, sondern auch der Papa und wir kommen gerade erst an…

Wir haben ein Vierbettzimmer im Gasthuus Ulenhoff gebucht. Eine nette Pension mit einem Museumsbauernhaus, das 1825 erbaut wurde, in den 90ern ab- und hier wieder originalgetreu aufgebaut wurde. Leider ist das Museum aktuell geschlossen. Die Inhaberin und das Personal sind sehr freundlich und wir beziehen unser Zimmer. Dieses ist zwar einfach eingerichtet, aber ausreichend groß, selbstverständlich sauber und für diesen kleinen Urlaub vollkommen in Ordnung. Mir fehlt der Balkon, aber das wusste ich vorher. Einziger wirklicher Nachteil sind die fehlenden Rollladen oder Fensterläden. Es wird im Zimmer erst dunkel wenn die Sonne untergeht und es wird hell, wenn sie wieder aufgeht. Für mich kein Problem, für die Kleinen aber leider auch nicht… Die sind lange wach und früh wieder auf….

Das Restaurant hat normalerweise am Dienstag geschlossen, aber da heute recht viele Gäste da sind, ist kurzfristig geöffnet. Flexibilität ist wohl  eine der wichtigsten Eigenschaften in der aktuellen Zeit. Corona sei Dank, wenn man das so sagen möchte. Das Essen schmeckt übrigens sehr gut. Die Karte bietet ausreichend Auswahl für drei, vier Tage und es ist Spargelzeit. Wir essen am ersten und zweiten Tag im Gasthuus Ulenhoff. Beide Tage draußen im Strandkorb. Alleine das ist schon Urlaub. Die Maske ist natürlich Pflicht bis zum Tisch. Ab da sind wir sozusagen für uns alleine und somit die Maske auch los. Es ist nichts anderes wie zu Hause auch, daher stört uns das auch nicht.

 

Tagesausflug nach Emden

Am nächsten Tag möchten wir nach Emden. Emden ist mit knapp 50.000 Einwohner die größte Stadt Ostfrieslands. Wusstet ihr, dass Emden die Geburtsstadt eines ganz berühmten deutschen Komikers ist? Geboren in den 40er Jahren und deutschlandweit bekannt als Musiker und Schauspieler. Genau, die Rede ist von Karl Dall. Das wusste ich im Übrigen nicht. Für mich gehört immer „Otto“ nach Emden. Und das ist natürlich ebenfalls richtig. Durch Otto wurde Emden berühmt und das sieht man auch. Sowohl die Ottifanten-Statue und „dat Otto-Huus“ sind offensichtliche Denkmäler für ihren bekannten Komiker, aber auch durch kleine Besonderheiten begegnet man Otto in der Stadt. Beispielsweise an der Ampel als grünes „Ampel-Ottomännchen“. Immerhin ist dies nicht nur eine Art Verehrung für Otto Walkes, sondern es sorgt auch für ein Schmunzeln auf den Lippen der Besucher. Überhaupt ist Emden sehr gemütlich, übersichtlich und freundlich. Wir laufen etwas am Wasser, am „Ratsdelft“ entlang, trinken einen Kaffee und schauen auf die alten Schiffe. Auch in diesem Kaffee klappt es mit dem Thema Maske wieder sehr gut und unkompliziert. Man merkt, dass sich alle damit arrangieren und es dadurch irgendwie gar nicht mehr unangenehm wirkt.

Unser nächster Gang führt uns zu einem Abenteuerspielplatz. Kaffee trinken für die Erwachsenen, Spielplatz für den Kleinen und schon kommt jeder auf seine Kosten. Wir besichtigen noch die alte Dampflok 043, wieder etwas für Groß und Klein. Die Dampflok steht in der Nähe des Bahnhofes und ist frei zugänglich. Daneben findet man den Wasserturm der 1910 gebaut wurde, mit über 40 Metern zu den höchsten Gebäuden der Stadt gehört und heute immer noch in Betrieb ist. Die Sonne scheint und wir sind zufrieden mit unserem kleinen Abstecher nach Emden. Aber wir wollen noch einmal weiter ans Wasser.

 

Nach Emden sind wir von unserer Pension knappe 40 Minuten gefahren. Noch 15 Kilometer weiter und wir sind an der „Knock“.  So wirklich vom Meer reden wir hier noch nicht, aber immerhin ein wenig. Ein Restaurant, lange Deiche und ein ganz kleiner Sandstand mit ausreichend Watt um einen vierjährigen glücklich zu machen,  sorgen für den Naturteil des heutigen Ausflugs. Wir legen uns auf die Wiese und genießen die Sonne, während unser Kleiner Muscheln sammelt. Zugegeben, es nicht das große Meer, aber es reicht uns und es ist wirklich schön. Wir haben uns etwas zum Picknicken mitgenommen und ehrlicherweise ist es hier an diesem kleinen Ort so richtig deutlich: Corona ist in diesem Moment irgendwie vergessen.

 

Jetzt geht es aber wieder nach Hause. Die 45 Minuten Heimfahrt vergehen wie im Flug und wir essen wieder draußen im Garten des Ulenhoffs. Noch einmal die Sonne aufsaugen, denn morgen soll das Wetter weniger sonnig, und vielmehr nordisch werden…

Tagesausflug nach Leer

Nach unserem Frühstück packen wir die Taschen und machen uns auf den Weg nach Leer. Leer ist mit 35.000 Einwohnern noch einmal etwas kleiner als Emden und die Stadt ist nur 10 Minuten von unserer Pension entfernt. Wenn der Wetterbericht ja mittlerweile eher wirkt, als wäre er zu später Stunde gewürfelt, so stimmt er ausgerechnet heute. Es regnet. Wir laufen trotzdem durch die Altstadt von Leer. Vom Ufer der Leda bin ich etwas enttäuscht. Ich wundere mich das man hier kein Cafe, sondern überwiegend Gestrüpp findet. Am eigentlichen Ende ist kein belebter Platz und kein Denkmal oder Schiff, sondern eine Polizeidirektion. Dafür ist die Altstadt  an sich sehr schön gemütlich. Neben dem Stammhaus des bekannten Bünting -Ostfriesentee finden wir auch den „Wein-Wolff“ im Haus Samson. Ein wunderschönes Gebäude mit einem Verkaufsbereich mit vielen Weinen aus der ganzen Welt und Spirituosen aus Ostfriesland. Genau mein Ding, also werden endlich die wichtigen Mitbringsel gekauft. Sanddorn, Aquavit und Pfefferminzlikör landen in unserer Tasche und zu Hause in der Hausbar…

 

Der Regen wird stärker und wir entscheiden uns für Plan B: Das Miniaturwunderland in Leer. Auch hier müssen wir mit Maske rein. Das Miniaturwunderland verteilt sich auf drei Hallen und alle Besucher sind rücksichtsvoll. Also auch hier, kein Corona-Problem. Ich bin überrascht das unser Sohn so einen Spaß hat. Das liegt aber vor allem an den vielen Stationen mit Knöpfchen, die die Miniaturwelt  zum Leben erwecken. Lichter und Lagerfeuer gehen auf Knopfdruck an, Traktoren beginnen zu fahren und die Feuerwehr rückt aus. Hier kann man sich wirklich die Zeit vertreiben, auch wenn es mit dem Hamburger Miniaturland nicht zu vergleichen ist. Das Hauptthema ist Ostfriesland und so sehen wir Emden wieder und wir haben erneut einen Blick auf die Meyer Werft. Sogar die AIDA fährt hier, allerdings fehlt mir genau bei unserem Lieblingsschiff wirklich der Detailgrad… Trotzdem macht es Spaß. Wir gehen nach oben, wo gerade die Miniaturwelt von Berlin entsteht. Der Flughafen BER ist noch nicht fertig. Hier stimmt die originalgetreue Umsetzung… 😉 Im Cafe am Eingang trinken wir noch einen Cappuccino und dann fahren wir wieder zurück in unsere Pension. Das Wetter wird leider nicht besser und wir überlegen, wo wir heute Abend  essen möchten. Jan entscheidet sich „vollkommen überraschend“ für Nudeln. Auf der Suche nach einer Pizzeria entscheiden wir uns nach ausgiebiger Google-Recherche für das Restaurant Bellini in Papenburg. Also wieder 15 Minuten ins Auto und ab nach Papenburg. Jetzt sehen wir auch noch etwas von diesem Städtchen. Mit den kleinen Kanälen und den kleinen Schiffen mitten in der Stadt wirkt Papenburg so richtig sympathisch. Das hier hat wirklich Seefahrer-Flair. Die Pizza schmeckt, Jan freut sich über seine Nudeln und die Kleinste verschläft den Restaurantbesuch. Gab es sonst noch etwas zu beachten? Ach ja, Maske tragen bis zum Tisch. Machen alle hier, also nichts besonderes. Satt und zufrieden machen wir uns wieder auf den Heimweg.

Meyer-Werft und ab nach Hause

Am nächsten Morgen packen wir schon wieder unsere Koffer. Wir gehen zum Frühstücken, bezahlen und verabschieden uns. Gastfreundlich waren sie hier definitiv. Doch jetzt bin ich auch froh das wir los kommen, was aber mit dem nächsten Stopp zu tun hat. Endlich geht es in die Meyer Werft. Ich bin so gespannt auf die Eindrücke der Werft und vor allem auf den ersten Blick auf AIDAcosma. Wir parken auf dem Besucherparkplatz und laufen zum Eingang. Normalerweise ist die Besichtigung geführt, doch um die Besucherströme etwas zu entzerren, darf jeder Teilnehmer auf eigene Faust los. Der Ablauf hier ist wirklich gut. Es dauert zwar etwas bis wir rein kommen, aber dann wird es richtig toll. Die ersten Eindrücke der riesigen Halle sind schon gigantisch. Alleine solch ein riesiges Tor habe ich noch nie gesehen. Wir betreten die Werft und sehen Modellschiffe, Filme über die Entstehung eines Kreuzfahrtschiffes mit Gänsehautmomenten, die Geschichte der Meyer Werft und viele interessante Infos zum Schiffbau. Außerdem wird in einem Film die Emsüberführung erklärt. Das ist wirklich eine Meisterleistung. Es gibt einen kleinen AIDA-Bereich und man kann sich verschiedene Show-Kabinen ansehen. Endlich bekomme ich auch mal einen Einblick in Kabinen anderer Redereien und ich entscheide mich dazu, weiter bei AIDA zu bleiben… Wir sehen eine originalgetreue Schiffsschraube und natürlich sehen wir auch mein persönliches Highlight: Der Blick durch die Scheiben in die größte überdachte Schiffsbauhalle der Welt ist einfach nur großartig. Da steht Sie, AIDAcosma, und sie wächst und wächst. Man kann schon sehr viele Details erkennen und vor allem wirkt jetzt schon die Größe dieses Giganten. Das Gefühl wächst wieder: Ich möchte unbedingt wieder aufs Schiff. Nach gut eineinhalb Stunden beenden wir unseren Besuch. Wir hätten es noch länger ausgehalten, aber die beiden Kids haben genug gesehen und sie haben es bis hierhin eigentlich ganz gut gemacht. Also sind wir einfach zufrieden und begeben uns auf den Weg zum Ausgang. Der Shop ist zu und befindet sich ersatzweise in einem kleinen Container auf dem Parkplatz. Ein Souvenir muss noch sein. Dann steigen wir ins Auto und treten den Heimweg an. Ein Besuch der Meyer-Werft kann ich nur wärmstens empfehlen.

 

Fazit:

Ostfriesland hat seinen Reiz. Die Landschaft ist ohne Zweifel besonders. Anders, aber dadurch eben besonders. Liebenswert und Rau. Sonnig und windig. Aus meiner Sicht keinesfalls langweilig und verschlafen. Für einen Kurztrip von 3 Nächten lohnt sich von uns aus Rheinland-Pfalz auch die Fahrtzeit. Fahrt mal hin, es lohnt sich.

Gerade die aktuelle Zeit, die vielleicht den ein oder anderen Menschen vom Verreisen abhält, macht mir bewusst welch hohes Gut es ist, sich einfach ins Auto zu setzen und loszufahren. Erst jetzt merkt man, was man da eigentlich für Vorzüge hat, die viele Generationen nicht  erleben durften. Und genau aus diesem Grund passen wir auch unser Verhalten an. Natürlich halten wir uns an die aktuellen Regeln, natürlich tragen wir Masken dort, wo es verlangt wird. Wir möchten diese Reisefreiheit nicht aufs Spiel setzen. Wir wollen auch den schweren Kampf der Gastronomie nicht mit Füßen treten. Es stört mich auch nicht, mich im Urlaub „anzupassen“, weil es mit diesen Regeln zu Hause ja nichts anderes ist.

Ich bin einfach glücklich wieder zu  planen, zu reisen, zu sehen, zu schmecken und zu erleben. Natürlich lohnt es sich auch einmal wieder in der eigenen Heimat unterwegs zu sein. Hier gibt es noch so viele Ecken die wir noch nicht wirklich gesehen haben. Aber ich freue mich auch schon wieder auf „die große weite Welt“.

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